(Digitale) Visionen für den Naturpark Beverin im Jahr 2040

Piz Beverin 2040

Am 30 November 2021 haben wir zusammen mit 20 Einwohner:innen des Naturpark Beverin die erste Zukunftswerkstatt veranstaltet.                   Gemeinsam haben wir wünschenswerte Szenarien gesammelt welche beschreiben wie der Naturpark im Jahr 2040 aussehen könnte.

Die Teilnehmenden waren an drei Orten verteilt: in Splügen, in Andeer und Online. Dabei waren alle Teilnehmenden digital miteinander verbunden. Anwesend waren Unternehmer:innen, Naturpark Beverin-Mitarbeiter:innen, Lehrpersonen, Pensionierte, ein Hotelbetreiber, ein SAC-Hüttenwart und viele weiteren.

Als erstes wurden einzelne wünschenswerte Ideen zur Zukunft der Region gesammelt, welche danach in Gruppen zu Szenarien konsolidiert wurden. Unter den Ideen waren zum Beispiel: Drohnen die Wölfe verjagen, Augmented-Reality-Brillen die als Tourguide dienen oder ein digitaler Kiosk für lokale Produkte. In einem letzten Schritt wurden dann für jedes Szenario Handlungsempfehlungen entwickelt um herauszufinden: Was muss heute und morgen gemacht werden, damit wir uns in diese Richtung bewegen?

teil

Die Hauptfrage, mit welcher sich alle Teilnehmenden befasst haben war:

  • Wie sieht eine wünschenswerte (digitale) Zukunft für die Region in 20 Jahren aus?

Um den Gruppen einen unterschiedlichen Fokus mitzugeben, wurden zwei Nebenfragen formuliert:

  • Wie sieht In 20 Jahren die digitale Infrastruktur in deiner Gemeinde aus ? (Andeer)
  • Auf welcher Art und Weise findet in 20 Jahren (digitale) Partizipation in deiner Gemeinde statt? (Splügen & Digital)

Die angesammelten Ideen und Szenarien haben wir auf der Online Plattform Mural digitalisiert und als Karte zusammengetragen  →  Andeer Splügen Digital

Die Ideen die sich im Laufe des Abends angesammelt haben konnten wir vier Hauptthemen unterordnen: Mobilität, Wirtschaft, Politik & Partizipation und Gesellschaft & Gesundheit. Um das zu veranschaulichen haben wir eine weitere Karte erstellt, wo die verschiedenen Ideen nach den Themen geordnet sind  →  Themen-Mapping

 

Die wichtigsten Szenarien zu jedem Thema sind hier kurz zusammengefasst:

Mobilität

Ein oft wiederkehrendes Thema in alle Gruppen war die zukünftige Mobilität im Naturpark Beverin. Viele Teilnehmenden waren sich einig dass im Jahr 2040 der gesamte Verkehr ohne fossile Treibstoffe auskommen sollte. Zugleich ist jedoch wegen den geografischen Gegebenheiten der Region eine Zukunft ohne Autos oder motorisiertem Individualverkehr schwer vorstellbar. Vorschläge waren ein flexibles ÖV- Konzept, dass auf Abruf funktioniert oder eine Carsharing–App, welche mit selbstfahrenden, elektrischen Fahrzeugen die Menschen im Naturpark an ihre Zielorte bringt - “Damit jeder am Stammtisch sein verdientes Feierarbend Bier trinken kann, ohne sich Sorgen machen zu müssen wie er noch (legal) nach Hause kommt”. Neuartige Transportmittel wie elektrische Luftfahrzeuge oder eine Magnetschwebebahn wurden auch als Lösungen genannt. Um Verkehr und Lärm auf der A13 einzudämmen wurde unter anderem Road-Pricing, ein digitales Leitsystem oder digitale Schallschutzwände vorgeschlagen.

 

Wirtschaft

Bezüglich der wirtschaftlichen Zukunft des Naturparks Beverin haben viele Teilnehmenden die Wertschätzung und Wertschöpfung einheimischer Produkte betont. Das Szenario der Gruppe Andeer beschreibt viele kleinen Bauernhöfe, welche gut miteinander vernetzt sind, staatlich gefördert werden und regionale Produkte verkaufen. Es wurden auch Vorschläge um die Produkte besser zu vermarkten: Zum Beispiel ein digitaler Kiosk für lokale Produkte, ein gebührenfreies digitales Bezahlsystem in Bauernhofläden oder ein “Produkte-Taxi” das regionale Produkte in die Häuser liefert. Die Gruppe Splügen hat zudem auch den besonderen Wert der Handwerkskunst betont. Um diese aufrechtzuerhalten, sollen junge Menschen im Naturpark Beverin mit Videos und Workshops angesprochen werden. Um einen “lockeren Tourismus” in der Region zu ermöglichen, soll in den kommenden Jahren eine App die vielen Angebote in der Region vereinen und zum Beispiel das Check-in mit dem Smartphone ermöglichen. Eine weitere Idee für einen Tourismus der Zukunft waren Augmented Reality-Brillen die als Wegweiser dienen (zum Beispiel auf Wanderwegen) und in Echtzeit Informationen zu Natur und Gebäude einblenden können

 

Politik & Partizipation

Rund um das Gemeindewesen gab es mehrere Ideen, um politische und administrative Prozesse partizipativer, transparenter und effizienter zu gestalten. In Splügen zum Beispiel wurde folgendes Szenario erstellt: Vor jeder Gemeindeversammlung können alle Einwohner:innen Online Eingaben machen und für diese abstimmen. So werden die Traktanden erweitert. Alle Dienste der Gemeinde funktionieren digital und werden auf einer App oder Webseite vereint: Abstimmen, Unterschriften sammeln, Verwaltungsdokumente, Anträge, Information etc. Durch die so vereinfachten direkten Abstimmungen, kann auch öfters die Meinung der Bevölkerung eingeholt werden, auch für kleinere Budget-Entscheiden oder Investitionen. Um die Arbeit für die Gemeinde-Mitarbeitenden zu vereinfachen wurde vorgeschlagen, einheitliche Software in allen Gemeinden des Naturparks einzuführen. Das würde zu einem vereinfachten Wissensaustausch und mehr Transparenz führen.

 

Gesundheit

Ein weiteres wichtiges Thema an der Zukunftswerkstatt waren die gesundheitlichen Folgen der Digitalisierung. Um den negativen Auswirkungen, welche gewisse Aspekte der Digitalisierung auf unsere psychische Gesundheit haben können, entgegenzuwirken, braucht es im Naturpark Beverin auch bewusst “undigitalisierte” Zonen. Die Verbindung der Bevölkerung zur Natur sollte auch bestärkt werden. Vorschläge hierzu waren zum Beispiel das Wohnen mit Tieren unter einem Dach. Die Gruppe Online hat sich auch eine Wiederbelebung der "Landjugend" vorgestellt: Kein Kind soll aufwachsen ohne Landwirtschaft erfahren zu haben. Das Aktivieren der Jugend in der Landwirtschaft soll einen wertvollen gesellschaftlicher Beitrag leisten und die Beziehung zu Natur und Gesellschaft aufrechterhalten (Digital Detox). Ebenso wichtig ist es soziale Kontake aufrechtzuerhalten. Es braucht reale Begegnungszonen damit Menschen nicht vereinsamen. Die Digitalisierung kann hier aber auch helfen: zum Beispiel mit einem digitalem Dorfbänkli oder Stammtisch, welches Dörfer oder sogar die Täler verbinden könnte.

Nach dieser ersten erfolgreichen Durchführung freuen wir uns auf weitere Durchführungen im 2022. Die Zukunftswünsche und Ideen, die in den Werkstätten entstehen, werden mit weiterer Recherche und relevanten Informationen ergänzen, und in Zukunftsreports publizieren. Der erste report wird sich dem Thema der Mobilität im Naturpark Beverin widmen.

 

  Zur Anmeldung für die Zukunftsreports

 

An dieser Stelle möchten wir auch nochmals unseren Sponsoren danken, ohne welche die Zukunftswerkstatt nicht möglich gewesen wäre:

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